Mittwoch, 15. Februar 2006

lass küssen dich von einer wienerin


lass dich küssen von einer wienerin
komm nimm meine hand und ich
zeige dir die mutter meiner liebe

diese stadt
aus deren boden meine liebe sprießt
um sie mit dem weichem klang
meiner sprache und dem warmen timbre
meiner worte über dich zu gießen


winterbesuch in wien

I. frühstück im bett. gehüllt
in weiße wintersonne, die
schneebedeckte baumwipfel
des wienerwaldes und bizarre
eisblumenmuster auf die decke
unserer frühstücksliebe zeichnet.

II. zieh dich warm an! wir machen
einen rundgang durch die stadt.
lach doch nicht so. bei dieser kälte
muss ich einfach einen hut tragen.
ach, wie liebe ich deine lachtränen.
glücksdiamanten sind sie
mit denen du mich schmückst.

III. hast du kleingeld bei dir?
ich möchte im stephansdom eine
kerze anzünden. als dank.
für dieses jahr der liebe das
sich bald dem nächsten zuwendet.
hörst du? die krönungsmesse.
wie bestellt um meinen prinzen
zum könig der liebe zu krönen.

einen kleinen segen lass uns noch
erbitten und dann hinaus. hand in hand
über den graben gelaufen, wie kinder.

IV. schau der demel. nein, nicht hier
kaffee, nein. komm ins griensteidl.
dort sinken wir in plüsch und lächeln
in geschliffene spiegel, in der kleinen nische in der unsere knie aneinander beben.

V. dann flanieren wir arm in arm über
die ringstraße zum rathausplatz. an der
gourmetmeile neben dem buntgetanzten
eistraum treffen wir unsere freunde
helena und fred zu einem gläschen
glühwein, einem stanitzel voll maroni
und einem singsang aus gewienertem.

VI. nun müssen wir uns beeilen, du
willst dass ich mein schwarzes kleid
anziehe, wenn wir in die oper gehen.
ja, die liebe hat bunte flügel, glühen
deine augen durch die dunkelheit in
meine. carmen stirbt, doch ihre musik
weckt unsere leidenschaft. wie gut,
dass wir allein in unserer loge sind.

VII. küss die hand, frau lylo, sagt
herr hans, als wir unseren ecktisch
in der roten bar im sacher einnehmen.
du ziehst sie an die lippen und er
lächelt wissend. der tafelspitz
schmeckt wie verheißung. der apfelkren
wie deine küsse. süß und scharf.

VIII. eine flasche sekt neben unserem
bett und ein diskreter mond, der
bläuliche schatten von schneebedeckten
baumwipfeln des wienerwaldes und
bizarre eisblumenmuster auf die decke
unserer nachtliebe zeichnet.

© by lylo

dieses gedicht gibt es auch zum anhören

wienerin


Montag, 23. Januar 2006

Engelstränen

engelstraenen

Auch wenn du mein Engel bist,
wünsche ich dir Schutz.
Bleib behütet und begleitet,
gewärmt von zarten Schwingen.

Ich verspreche dir,
auf mich Acht zu geben,
mich an den Tränen, die du jetzt weinst,
zu laben und erfrischen.

Auch wenn du mein Engel bist,
wünsche ich dir Kraft.
Sei beschienen von hellem Licht,
getragen vom sanften Wind.

Ich verspreche dir,
den Traum nicht aufzugeben.
Den Traum vom gemeinsamen Flug,
den Traum vom Leben.


(c) 2006 by Froschkönig

Sonntag, 22. Januar 2006

Der Liebesmeerfisch


Wäre meine Liebe
eine Scheibe
wärst du darin
Sonne, Mond und Sterne

Wäre meine Liebe
ein Haus
wärst du darin
das Licht in allen Räumen

Doch weil meine Liebe
ein Meer ist
bin ich darin
dein Fisch

(c) evelyne w.

Donnerstag, 15. Dezember 2005

lost christmas


der punsch ist zuckersüß.
last christmas, plärrt es
aus dem kassettenrecorder
und ich denke, voriges jahr
war der punsch auch süß.
aber süß wie die liebe.
und meine liebe brauchte keinen zucker.

die säfte deines körpers waren lustgesüßt,
deine haut duftete nach zimt und koriander
und dein atem hauchte mandarinenduft
in die welt.
und in mein herz.

der punsch, der durch meine adern lief,
benötigte keinen aromaverstärker.
er wärmte
und pulsierte küsse
in meine lippen, die du
in kleinen genießerischen schlucken
herunter schlürftest.

und ich sehe deinen blick.
kleine sterne blinkten in deinen augen
und bauten eine goldene brücke in meine,
auf der das christkind
geheimnisvolle geschenke versteckte.

ich habe sie zu schnell ausgepackt,
wie es scheint.
nichts ist mehr davon übrig.

nur ein punschstand mit der aufschrift:
für karitative zwecke,
eine schrill blinkende lichtergirlande
und ein laut plärrender kassettenrecorder.

© by lylo


Sonntag, 27. November 2005

Kinder-Weihnacht


Denkt nur
Ich habe den Weihnachtsmann gesehen
Vor dem Einkaufszentrum sah ich ihn stehen
Die Mütze umkränzt mit buntem Laub
Die Stiefel bedeckt mit Spätsommerstaub

In der Rechten ein Handy
Und mit der Linken
sah ich ihn dem Osterhasen nachwinken
Der rasch um die Ecke versuchte zu fliehen
Bevor Halloween-Gespenster ihn mit sich ziehen

Am hellichten Tag
da noch Sommer-Zeit
Von Weihnachtsstimmung
entfernt sehr weit

Und dann sah ich die Kinder
Und in ihren Augen
die Desillusion
und ihren Glauben
Dass Weihnacht
nur aus Kauf von Geschenken besteht
Und beim Weihnachtsmann
es um Verkleidung bloß geht

Nicht um seine Geschichten
Nicht um seine Legenden
Nicht um seine Bestimmung
Sich zu verwenden
als Knecht des Christkinds
Der die Gaben der Liebe bringt
Nicht dafür
dass überall die Ladenkasse klingt

Und tiefstest Bedauern macht sich in mir breit
Für die Kinder
Deren Vorweihnachtszeit
kein Advent
keine Erwartung mehr trägt
Keine Tradition
liebevoll gepflegt
Nur das Gold des Christkinds
von Bedeutung ist
Und der Weihnachtsmann
ein skurriler Pensionist

Jetzt
Erwachsene denkt
Was wir den Kindern rauben
Denkt
an unseren Kinderglauben
An Mysterium
Geflüster
Heimlichkeiten
Die Verschwörerblicke der Eingeweihten
Wenn die Rede von Christkind
und Weihnachtsmann war
Die steigende Spannung
Jahr für Jahr

Dann der Abend
an dem endlich das Glöckchen erklang
Doch das Christkind sich wieder
aus dem Fenster schwang
Bevor es uns gelungen
einen Blick zu erhaschen
Dabei wollten wir es
diesmal unbedingt überraschen

Dann mit großen Augen
und klopfendem Herzen
Nur die Lichter zu sehen
die brennenden Kerzen
Stumm vor Ehrfurcht
vor dem Baum der Bäume zu stehen
Und da erst
die Geschenke zu sehen
Kein Kind wußte je
wie sie dort hingekommen

Das alles haben wir
unseren Kindern genommen

Drum lasst uns besinnen
Bevor es zu spät
Und der Weihnachtsmann
das ganze Jahr herumgeht
Lasst die Weihnacht
zur Weihnachtszeit uns erleben
Dann können wir sie
auch den Kindern
wieder geben

(c) evelyne w.


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