Mittwoch, 2. August 2006

Nähe



Auch in weiter Ferne
spüre ich deinen ruhigen Atem
so als ruhte dein Kopf
sanft auf meinen Schultern

Auch in weiter Ferne
höre ich jeden leisen Gedanken
so als flüstertest du ihn
direkt in mein Ohr

Auch in weiter Ferne
bekomme ich Gänsehaut
so als berührtest du
zärtlich meinen Arm

Sehnsucht
sucht

und

findet
Liebe


(c) 2006 by www.jazzlog.de

.

Samstag, 20. Mai 2006

Freiheit atmen



Rickmer Rickmers Takelage


Endlos blauer Himmel,
warme Sonnenstrahlen auf der Haut.
Den Geruch von Salz und Teer in der Nase,
das Plätschern der Wellen am Kai im Ohr.
Es muss gar nicht die "große Freiheit" sein,
die kleine würde mir schon vollends reichen.



(c) 2006 by jazzer


Freitag, 24. März 2006

sieh nur, der frühling


sieh nur
ich bin der frühling
milde sonne leuchtet
aus meinen augen
schneeglöckchen läuten
aus meinem munde
dich zum kuss

aus meiner herzenswiese
drängen krokus und narzissen
ein rotes tulpenbeet
erblüht auf meiner brust

mein leib bedeckt
mit süßen weißen blüten
vom apfelbaume unseres
sommerglücks

auf dem teiche schmilzt das eis
ich lade dich zum bade
streif ab das winterkleid
und tauche
tief in mich

© by lylo





Dienstag, 28. Februar 2006

Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!

Bei .meike habe ich dieses wundervolle Gedicht wiederentdeckt. Es passt einfach perfekt zu meiner momentanen Lebenssituation und allem und allen, die sie umfasst. Ganz besonders musste ich dabei an einen kleinen grünen Herrn mit Krone auf dem glitschigen Haupt denken. ;-)


Stufen

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse)

Mittwoch, 15. Februar 2006

lass küssen dich von einer wienerin


lass dich küssen von einer wienerin
komm nimm meine hand und ich
zeige dir die mutter meiner liebe

diese stadt
aus deren boden meine liebe sprießt
um sie mit dem weichem klang
meiner sprache und dem warmen timbre
meiner worte über dich zu gießen


winterbesuch in wien

I. frühstück im bett. gehüllt
in weiße wintersonne, die
schneebedeckte baumwipfel
des wienerwaldes und bizarre
eisblumenmuster auf die decke
unserer frühstücksliebe zeichnet.

II. zieh dich warm an! wir machen
einen rundgang durch die stadt.
lach doch nicht so. bei dieser kälte
muss ich einfach einen hut tragen.
ach, wie liebe ich deine lachtränen.
glücksdiamanten sind sie
mit denen du mich schmückst.

III. hast du kleingeld bei dir?
ich möchte im stephansdom eine
kerze anzünden. als dank.
für dieses jahr der liebe das
sich bald dem nächsten zuwendet.
hörst du? die krönungsmesse.
wie bestellt um meinen prinzen
zum könig der liebe zu krönen.

einen kleinen segen lass uns noch
erbitten und dann hinaus. hand in hand
über den graben gelaufen, wie kinder.

IV. schau der demel. nein, nicht hier
kaffee, nein. komm ins griensteidl.
dort sinken wir in plüsch und lächeln
in geschliffene spiegel, in der kleinen nische in der unsere knie aneinander beben.

V. dann flanieren wir arm in arm über
die ringstraße zum rathausplatz. an der
gourmetmeile neben dem buntgetanzten
eistraum treffen wir unsere freunde
helena und fred zu einem gläschen
glühwein, einem stanitzel voll maroni
und einem singsang aus gewienertem.

VI. nun müssen wir uns beeilen, du
willst dass ich mein schwarzes kleid
anziehe, wenn wir in die oper gehen.
ja, die liebe hat bunte flügel, glühen
deine augen durch die dunkelheit in
meine. carmen stirbt, doch ihre musik
weckt unsere leidenschaft. wie gut,
dass wir allein in unserer loge sind.

VII. küss die hand, frau lylo, sagt
herr hans, als wir unseren ecktisch
in der roten bar im sacher einnehmen.
du ziehst sie an die lippen und er
lächelt wissend. der tafelspitz
schmeckt wie verheißung. der apfelkren
wie deine küsse. süß und scharf.

VIII. eine flasche sekt neben unserem
bett und ein diskreter mond, der
bläuliche schatten von schneebedeckten
baumwipfeln des wienerwaldes und
bizarre eisblumenmuster auf die decke
unserer nachtliebe zeichnet.

© by lylo

dieses gedicht gibt es auch zum anhören

wienerin


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